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Oktoberfest soll mit Einschränkungen stattfinden (14.9.2001)

Mit großer Übereinstimmung hat der Ältestenrat des Münchner Stadtrats sich in seiner Sondersitzung dafür ausgesprochen, an der Durchführung des diesjährigen Oktoberfestes festzuhalten - allerdings mit einer Reihe von Einschränkungen, die sicherstellen, dass bei der Durchführung der Wiesn den besonderen Umständen Rechnung getragen und niemand in seinen Gefühlen verletzt wird.

Oberbürgermeister Christian Ude: "Über diesem Fest liegt ein Schatten und dieser Realität müssen wir gerecht werden. Wir waren aber mit Ausnahme von Bürgermeister Monatzeder, dessen abweichende Meinung mit großem Respekt zur Kenntnis genommen wurde, alle der Meinung, dass das Oktoberfest nicht abgesagt werden soll, jedenfalls nicht aufgrund des heutigen Erkenntnisstandes, weil wir keine Lähmung des öffentlichen Lebens wollen, und weil wir deutlich machen möchten, dass das Leben trotz entsetzlicher Terroranschläge weitergeht. Dies war in zwei Bezugsfällen in München auch so gesehen und entschieden worden: 1972 nach dem schrecklichen Attentat auf die israelische Olympiamannschaft und 1980 bei dem Attentat, das sogar auf der Wiesn selber stattgefunden hat. Es ist uns allen wichtig, deutlich zu machen, dass unter dem Schock der Ereignisse in den Vereinigten Staaten auch für die Stadt München die Trauer um die Toten, die Anteilnahme mit den Angehörigen und die Solidarität mit den Vereinigten Staaten und die Sorge um den Frieden im Vordergrund stehen. Wir haben Verständnis, dass die Medien sich vor allem für die Frage des Oktoberfestes interessieren, aber wir wollen deutlich machen: Wie an jedem anderen zivilisierten Ort auch stehen die Trauer, die Anteilnahme, die Sorgen und die Friedenwünsche im Vordergrund. Es wird deshalb am kommenden Mittwoch eine Sondersitzung, eine Trauer- und Gedenksitzung des Stadtrates, geben. "

Die Sicherheitslage kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden. Der Polizeipräsident und der Leiter des Landeskriminalamts haben deutlich gemacht, dass selbstverständlich die abstrakte Gefährdungslage höher ist als vor den Ereignissen. Das gilt aber generell für das öffentliche Leben in Europa und ist nicht beschränkt auf die Wiesn. Es gibt aber bis zur Stunde keinerlei Hinweise auf konkrete Gefährdungen, die eine Absage nahelegen oder gar verlangen.

OB Ude: "Wir müssen natürlich auch darauf gefasst sein, dass Ereignisse stattfinden oder Eskalationen sich ereignen, die zu einer anderen Beurteilung zwingen. Dieser Vorbehalt steht über allem, was zur Zeit beschlossen und angekündigt wird. Darauf müsste gegebenenfalls in der nächsten Woche oder sogar während der Wiesn reagiert werden."

Zu den vereinbarten Einschränkungen für das Oktoberfest sagte der Oberbürgermeister:
"Wir sind uns alle einig - das haben die Wiesnwirte auch so formuliert -, dass es keine Wiesn geben kann, wie wir sie aus den letzten Jahren gewöhnt sind. Es kann und wird keine Wiesn wie üblich sein. Die Bevölkerung, die in dieser Frage tief gespalten ist, wie auch alle Umfragen, Leserbriefe und die Bürgerpost zeigen, soll auf keinen Fall in ihren Gefühlen verletzt werden, wenn sie die Dinge anders sieht, als sie heute mehrheitlich gesehen wurden.

Deshalb wird jede Aktivität auf das Areal der Wiesn beschränkt sein und die Stadt nicht einbeziehen.

· Die Wiesnwirte verzichten deshalb auf ihren Einzug, der durch die Stadt führt und damit sicher auch Bevölkerungsteile einbeziehen würde, denen absolut nicht zum Feiern zumute ist.

· Die Eröffnung der Wiesn durch die Stadt wird nicht dem gewohnten Bild entsprechen. Es wird nicht eine fröhlich rustikale Szene des Anzapfens geben, sondern wenige Worte, warum die Stadt München trotz der schwierigen Situation dieses Fest durchführt.

· Die Marktkaufleute haben angeboten, auf ihr Feuerwerk, das auch wieder in der Gesamtstadt sichtbar wäre, zu verzichten und die Kosten stattdessen einem Fonds für die Anschlagsopfer zur Verfügung stellen.

· Es ist Einvernehmen erzielt worden, dass es an einem Wiesntag - das könnte der Jahrestag des Wiesn-Attentats sein - einen großen Gottesdienst auf der Wiesn geben wird mit allen Beschäftigten und Beteiligten. An diesem Tag wird die Wiesn später, voraussichtlich um 12 Uhr, eröffnet.

· Der Trachtenzug soll nach unserer Meinung auf jeden Fall stattfinden, weil er ja geradezu eine kulturelle Veranstaltung der Völkerfreundschaft ist. Hier wäre eine Absage absolut unverständlich. Aber wir wollen auch den Charakter des Zuges dem Ernst der Situation anpassen. Es soll also kein jubilierender Zug sein, sondern ein Zug der volkskulturellen Vielfalt und Völkerverständigung.

· Die Übertragungen von der Wiesn, die die Signalwirkung nach außen besonders betonen, sollen eingeschränkt werden, wo immer es geht. Das gilt für Fernsehdirektübertragungen und vor allem für geplante Internetschaltungen.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass dies eine Entscheidung der Abwägung ist. Wir respektieren alle Meinungen, die sagen, unter den gegebenen Umständen ist einem nicht zum Feiern zumute. Niemand wird gezwungen, auf die Wiesn zu gehen und zu feiern. Wer es nicht mit seiner Pietät vereinbaren kann, braucht sich nicht zu beteiligen.